Allgemein

Zukunftstrainer-Programm — Zukunftspreis des Berliner Sports 2025

8 Mins read

⭐ Ausgezeichnet: Zukunftspreis des Berliner Sports 2025

Das Zukunftstrainer-Programm der Hockey-Abteilung des Steglitzer Tennis-Klubs 1913 wurde beim Zukunftspreis des Berliner Sports 2025 ausgezeichnet. Ein Gespräch über junge Coaches, Verantwortung ab 14 — und über das Team im Vorstand, in den Camps und im „Club 100″, das dieses Projekt erst möglich macht.

Interview: Tim Schäflein · Redakteur Steglitzer TK & Co-Host Hockey-Podcast „Viertelpause“ · 14. März 2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten


Was ist der Zukunftspreis des Berliner Sports?

Der Zukunftspreis ist ein jährlicher Vereinswettbewerb des Landessportbunds Berlin (LSB), vergeben gemeinsam mit der LOTTO-Stiftung Berlin, der Berliner Stadtreinigung (BSR) und der Volkssolidarität Berlin. Er zeichnet innovative Projekte Berliner Sportvereine aus — von Umweltschutz über Integration und Inklusion bis zu Digitalisierung und Jugendförderung. In der Ausgabe 2025 (der 14. Auflage) wurden 20 Projekte mit insgesamt 25.000 Euro prämiert. Die feierliche Verleihung fand am 19. Februar 2026 im Roten Rathaus statt.

→ 1. Platz: FC Internationale Berlin — „INTERgenerational Climate Captains“ (7.000 €)
→ 2. Platz: Berliner Athletik Klub 07 (4.000 €)
→ 3. Platz: Rugby Klub 03 Berlin (2.000 €)
→ Plätze 4–10: je 1.000 € · Plätze 11–20: je 500 €
Platz 11: Steglitzer TK — „Zukunftstrainer“ (500 €)

10
Junior-Trainer aktiv
150
Kinder in den Camps betreut
ab 13
Jahre — Start als Coach
14.
Auflage des Zukunftspreises

Wolfgang Fehr ist Sport- und Jugendwart sowie 2. Vorsitzender des Steglitzer Tennis-Klubs 1913. Er hat selbst keinen Hockey-Hintergrund — was ihn nicht daran hindert, die Jugendarbeit in der Hockey-Abteilung mit großer Leidenschaft voranzutreiben. Tim Schäflein, Redakteur des Vereins und Co-Host des Hockey-Podcasts „Viertelpause“, hat ihn zum Gespräch über das Zukunftstrainer-Programm getroffen — und über die Menschen, die es tragen.


„Dieser Preis gehört dem ganzen Team“

Tim: Wolfgang, der Steglitzer TK ist beim Zukunftspreis des Berliner Sports 2025 ausgezeichnet worden — Platz 11 unter 20 prämierten Projekten. Wie hast du die Nachricht aufgenommen?

Wolfgang: Mit einem breiten Grinsen. Stefan Holdermann und ich haben uns sofort ausgetauscht — wir entwickeln solche Konzepte ja gemeinsam, und dann freut man sich natürlich auch gemeinsam. Für uns als Hockey-Abteilung eines traditionsreichen, aber nicht riesigen Berliner Vereins ist das eine echte Anerkennung. Aber dieser Preis gehört nicht einzelnen Personen. Er gehört dem gesamten Team — den Trainern, dem Club 100, den den jungen Co-Trainern selbst.

Tim: Du erwähnst Stefan Holdermann. Wie arbeitet ihr zusammen — und wie eigenständig ist die Hockey-Abteilung eigentlich?

Wolfgang: Stefan und ich leiten den Verein mit gemeinsam — er als 1. Vorsitzender, ich als 2. Vorsitzender und Sport- und Jugendwart. Wir tragen die Konzepte zusammen, in Abstimmung mit dem Vorstand der Hockeyabteilung. Das Zukunftstrainer-Programm ist ein gutes Beispiel: Das ist aus vielen Gesprächen zwischen uns beiden entstanden, aus einer gemeinsamen Überzeugung heraus. Und was unsere Hockey-Abteilung betrifft: STK Hockey agiert sehr eigenständig und autark innerhalb des Gesamtvereins Steglitzer TK e.V.. Wir gestalten unsere Jugendarbeit, wie wir es für richtig halten — von der Camp-Planung bis zur Trainerentwicklung. Diese Eigenständigkeit ist ein großer Vorteil, weil wir schnell und unkompliziert handeln können.

Tim: Und der „Club 100″ — was hat es damit auf sich?

Wolfgang: Der Club 100 ist unsere Förderverein und Camilla Richter ist dort die treibende Kraft. Der Club 100 unterstützt gezielt die Jugendentwicklung in unserer Abteilung — finanziell, aber auch ideell. Wenn wir zum Beispiel sagen, wir wollen die Lizenzgebühren für unsere jungen Trainer übernehmen, oder wir brauchen zusätzliches Material für die Camps, dann ist der Club 100 da. Camilla und ihr Team schaffen eine Brücke zwischen den Fördermitgliedern und der aktiven Jugendarbeit. Das ist nicht selbstverständlich — viele Vereine haben Förderkreise, aber die Mittel fließen oft in Infrastruktur oder Leistungssport. Bei uns fließt ein wesentlicher Teil direkt in die Nachwuchsförderung. Dafür bin ich dem Club 100 und Camilla sehr dankbar.

„Stefan und ich tragen die Ideen gemeinsam, der Club 100 und Teile der Mitgliedsbeiträge schaffen die finanzielle Basis, und unsere erfahrenen Trainer machen die Camps zu dem, was sie sind. STK Hockey funktioniert, weil alle auf Augenhöhe zusammenarbeiten.“

— Wolfgang Fehr, Sport- und Jugendwart & 2. Vorsitzender Steglitzer TK

Die Camps — das Herzstück des Programms

Tim: Du hast die Camps angesprochen. Unsere Hockey-Feriencamps haben sich in den letzten Jahren zu etwas Besonderem entwickelt. Was macht sie aus?

Wolfgang: Die Camps sind das Herzstück des gesamten Programms — und was dort passiert, hat vor allem mit dem Engagement unserer erfahrenen Trainerinnen und Trainer zu tun. Und wenn ich „erfahren“ sage, muss man sich klarmachen: Das sind selbst noch junge Leute, viele mitten in der Ausbildung oder im Studium. Aber sie bringen schon eine enorme eigene Hockeyerfahrung mit — teilweise seit der Minis-Zeit im Verein. Diese Coaches planen und organisieren die Camps in großer Eigenverantwortung: vom Trainingskonzept über die Tagesstruktur bis hin zur Logistik. Das alles neben Uni, Prüfungen und eigenem Training. Das kann man gar nicht genug anerkennen. Und genau in diesem Umfeld haben die Junior-Trainer ihren ersten Einsatz — sie werden von diesen jungen, aber hockeyerfahrenen Coaches begleitet, die wissen, wie man Verantwortung schrittweise überträgt, weil sie diesen Weg selbst erst vor wenigen Jahren gegangen sind.

Tim: Kannst du beschreiben, wie das in der Praxis aussieht?

Wolfgang: Pro Camp nehmen wir zwei bis drei Junior-Trainer ins Trainerteam auf. Unter Anleitung der älteren Coaches übernehmen sie kindgerechte Aufgaben — Aufwärmspiele anleiten, Übungsstationen betreuen, bei Turnierspielen den Schiedsrichter machen. Das Entscheidende ist: Die Trainer geben ihnen echte Verantwortung, nicht nur Beschäftigungsaufgaben. Und sie nehmen sich die Zeit für ein Feedback-Gespräch. Das hat auch deshalb eine besondere Qualität, weil der Altersabstand zwischen den Camp-Trainern und den Junior-Trainern oft nur fünf, sechs Jahre beträgt. Da entsteht eine Mentorenbeziehung, die näher dran ist als bei einem klassischen Erwachsenen-Jugend-Gefälle. Die Camp-Trainer investieren ihre Zeit nicht nur in die Kinder, sondern auch in die Ausbildung der nächsten Trainergeneration — das verdient enormen Respekt.


Verantwortung übernehmen mit 14 — warum so früh?

Tim: Jetzt kommt die Frage, die sich wahrscheinlich viele stellen: Ist es nicht zu früh, 14-Jährigen Trainerverantwortung zu geben?

Wolfgang: Diese Frage höre ich oft — und ich verstehe sie. Aber wenn man ehrlich hinschaut: In der Schule gibt es Streitschlichter-Programme ab der fünften Klasse, Schülervertretungen, Patensysteme für Erstklässler. Wir trauen Jugendlichen dort eine Menge zu. Warum sollte das im Sport anders sein? Wir reden hier ja nicht davon, Kinder allein zu lassen. Die Junior-Trainer arbeiten immer im Team mit unseren Coaches, sie haben feste Mentoren, sie bekommen regelmäßiges Feedback. Aber sie übernehmen echte Aufgaben — kein Pseudo-Engagement, bei dem man mal den Hütchenaufbau machen darf. Und mal ganz konkret: Unsere Camp-Trainer sind selbst oft Anfang 20, stehen mitten im Studium — die erinnern sich noch sehr gut daran, wie es war, mit 13 die ersten eigenen Aufgaben zu übernehmen. Das macht die Begleitung so authentisch.

Tim: Was genau lernen die Jugendlichen dabei, das über Hockey hinausgeht?

Wolfgang: Und genau hier liegt mir das Thema besonders am Herzen. Denn neben dem sportfachlichen Aspekt des Trainings, haben wir ganz wesentlich auch eine pädagogische Brille auf. Diese Jugendlichen lernen, vor einer Gruppe zu stehen und klare Ansagen zu machen. Sie lernen, Konflikte zu lösen — wenn zwei Achtjährige sich um einen Ball streiten, müssen sie reagieren. Sie lernen zu planen, zu improvisieren, Empathie zu zeigen. Das sind Führungskompetenzen, die man in keinem Klassenzimmer so authentisch trainieren kann. Stefan und ich sind uns da völlig einig: Neben dem rein sportlichen Auftrag als Verein ist es unsere maßgebliche Aufgabe, genau diesen Raum zu schaffen — einen geschützten Rahmen, in dem junge Menschen diese Fähigkeiten früh erlernen und ausprobieren können. Das ist kein Nebenprojekt, das ist Kern unserer Vereinsphilosophie. Wir müssen nicht permanent Spiele gewinnen oder Pokale, wir gewinnen durch das Miteinander mit allen Höhen und Tiefen.

„Ein Sportverein ist mehr als ein Ort, an dem man trainiert. Er kann ein Raum sein, in dem junge Menschen lernen, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und für andere da zu sein. Diesen Raum zu schaffen — das sehen wir als genauso wichtig wie den sportlichen Auftrag. Und es braucht dafür alle: Leute, die gemeinsam Konzepte entwickeln, Förderer, die daran glauben, und vor allem Trainer, die das jeden Tag leben.“

— Wolfgang Fehr


Die Preisverleihung — und was sie bedeutet

Tim: Die Preisverleihung fand am 19. Februar im Roten Rathaus statt. Wart ihr dabei?

Wolfgang: Leider nein — zur feierlichen Übergabe waren die Top-10-Platzierten eingeladen. Aber ehrlich gesagt: Die Urkunde und der Brief vom LSB, unterzeichnet von Vizepräsident Rothholz und Direktor Teuffel, hängen trotzdem schon im Vereinsheim. Wenn du siehst, dass der FC Internationale für sein Klimaschutzprojekt den ersten Platz geholt hat, der BAK 07 Platz zwei und der Rugby Klub 03 Platz drei — und wir als Hockey-Verein aus Steglitz unter den besten 20 dabei sind — dann macht das stolz. Und es zeigt: Man muss nicht der größte Club sein, um innovative Vereinsarbeit zu machen.

Tim: Die unvermeidliche Frage: Was passiert mit den 500 Euro Preisgeld?

Wolfgang: (lacht) Das Geld fließt direkt zurück ins Programm. Zusammen mit der Unterstützung des Club 100 finanzieren wir damit einen vereinsinternen Workshop-Tag, an dem unsere Junior-Trainer zusammen mit erfahrenen Coaches Themen wie Übungsplanung, Erste Hilfe und Schiedsrichterkunde vertiefen. Außerdem wollen wir die Lizenzgebühren für die ersten C-Lizenz-Anwärter bezuschussen. Jeder Euro ist da gut investiert.


Ein Modell für den gesamten organisierten Sport

Tim: Aus meiner Podcast-Arbeit bei „Viertelpause“ kenne ich viele Vereine in ganz Deutschland. Die Trainerentwicklung ist überall ein Riesenthema. Ist euer Modell übertragbar?

Wolfgang: Absolut — und das ist wichtig. Das Schöne an dem Konzept ist: Es braucht kein großes Budget. Es braucht vor allem den Willen, jungen Menschen etwas zuzutrauen, und erfahrene Trainer, die bereit sind, in eine Mentorenrolle zu gehen. Die DHB-Online-Module CoachStart und CoachNext stehen jedem offen. Den Rest — die Camps, das Training, die Mentoring-Struktur — kann jeder Verein an seine Gegebenheiten anpassen. Ob Hockey, Fußball, Handball oder Tennis: Das Grundprinzip „Jugend übernimmt Verantwortung“ funktioniert sportartübergreifend. Was es braucht, sind Leute im Verein, die gemeinsam dahinterstehen — und idealerweise einen Förderkreis, der es mitträgt. Ohne dieses Zusammenspiel funktioniert es nicht nachhaltig.

Tim: Wie ordnest du die Ehrenamtsproblematik generell ein?

Wolfgang: Das ist ein Thema, das den gesamten organisierten Sport in Deutschland betrifft. Die klassische Ehrenamts-Karriere — Spieler hört auf, wird irgendwann Trainer, Eltern bringen sich als Trainer ehrenamtlich ein — funktioniert immer weniger. Die Lebenswirklichkeit hat sich verändert: mehr berufliche Mobilität, weniger langfristige Vereinsbindung bei jungen Erwachsenen. Deshalb müssen wir früher ansetzen. Wenn jemand mit 13/14 anfängt, im Verein Verantwortung zu übernehmen, entsteht eine ganz andere Identifikation.


Ausblick: Die nächsten Schritte

Tim: Wie geht es weiter mit dem Zukunftstrainer-Programm?

Wolfgang: Wir haben aktuell elf aktive Junior-Trainer, die wöchentlich in den Trainingsgruppen mitarbeiten. Mehrere haben die DHB-Module schon abgeschlossen. Unser Ziel ist, jedes Jahr mindestens fünf neue Nachwuchs-Coaches zu gewinnen. Jetzt zu Ostern steht das nächste große Camp an, und unsere Trainer bereiten das wieder mit unglaublichem Engagement vor — neben ihrem eigenen Studium und ihren Prüfungen, wohlgemerkt. Die erfahreneren Junior-Trainer werden dort deutlich mehr Eigenverantwortung übernehmen — Tagesabschnitte planen, eigenständig Gruppen leiten. Und die ersten werden im kommenden Jahr das Mindestalter für die C-Lizenz erreichen. Das wird ein Meilenstein — auch für den Club 100, der die Lizenzkosten mitträgt.

Tim: Letzte Frage: Was wäre für dich der größte Erfolg des Programms in fünf Jahren?

Wolfgang: Wenn ein heute 13-jähriger Junior-Coach mit 17 oder 18 seine eigene Jugendmannschaft trainiert und dabei von einem 13-Jährigen unterstützt wird, den er selbst mit ausgebildet hat. Dann hätte sich der Kreislauf geschlossen. Und wenn andere Vereine bei uns anrufen und sagen „Erklärt uns mal euer Zukunftstrainer-Modell“ — dann hätten wir richtig viel erreicht. Der Zukunftspreis hat uns gezeigt, dass innovative Vereinsarbeit gesehen wird. Und wenn andere das Modell adaptieren wollen — umso besser. Davon profitiert der ganze Sport. Aber klar: Ohne die Partnerschaft mit dem Club 100 und solche Förderungen, und vor allem ohne unsere Trainerinnen und Trainer, die in den Camps und im Training jeden Tag das Beste geben — ohne die alle gäbe es kein Zukunftstrainer-Programm. Das ist eine Gemeinschaftsleistung von Leuten, die auf Augenhöhe zusammenarbeiten.

Auch unterstützen uns die Sponsoren dabei und gerade hier kann man sich immer einbringen, denn je mehr Förderungen wir bekommen, umso mehr Personen können wir fördern.

„Führung lernt man nicht aus Büchern. Man lernt sie, indem man es tut — indem man vor einer Gruppe steht, Entscheidungen trifft und Verantwortung für andere übernimmt. Je früher man damit anfängt, desto selbstverständlicher wird es. Unsere Aufgabe ist es, diesen Raum zu schaffen. Und das gelingt, weil bei STK Hockey alle an einem Strang ziehen — ohne Hierarchiedenken, auf Augenhöhe.“

— Wolfgang Fehr, Sport- und Jugendwart & 2. Vorsitzender Steglitzer TK


Über den Autor: Tim Schäflein ist Redakteur der Hockey-Abteilung des Steglitzer Tennis-Klubs 1913 und Co-Host des Hockey-Podcasts „Viertelpause“ — zusammen mit Chris Faust und Sören Wolke einer der meistgehörten Feldhockey-Podcasts im deutschsprachigen Raum. Verfügbar auf Spotify, Apple Podcasts und allen gängigen Plattformen.

Weiterführende Links:

Zukunftspreis des Berliner Sports — Landessportbund Berlin
Hockey-Podcast „Viertelpause“
→ Fragen zum Zukunftstrainer-Programm oder zum Club 100? Schreibt uns an die Abteilungsleitung oder über unsere Social-Media-Kanäle.

Related posts
AllgemeinJugend

Kinderschutz im STK

Seit letztem Jahr haben wir intensiv daran gearbeitet, das Thema Kinderschutz in unserem Verein präsenter zu machen und uns in diesem Zuge…
AllgemeinHockeyCampsJugend

STK Ostercamp 2026 – Jetzt anmelden!

08.–10. April 2026 · STK Sochos‑Platz 👉Anmeldung STK Ostercamp 2026 – Formular ausfüllen Drei Tage Hockey pur: Technik, Taktik, Teambuilding und jede…
Allgemein

Deutscher Meister aus dem STK

Herzlichen Glückwunsch Liam 💚❤️ Die Farben haben sich geändert – das Stirnband sitzt immer noch 🥺 Unser Liam Holdermann hat mit dem…
Melde Dich zum STK Newsletter an!